Woher kommt die Eifersucht? Darüber ist ein Streit unter Evolutionspsychologen entbrannt. Die Mehrheit ist Überzeugt, das Leiden sei angeboren - und zwar dem Manne in anderer Gestalt als der Frau. Studien bestätigen das. Probanden wurden vor die Wahl gestellt, welche Sorte Seitensprung sie beim Partner härter träfe: Sex ohne Liebe oder Liebe ohne Sex. Stets fürchteten Frauen vor allem die bloße Gefühlsverirrung, Männer dagegen den Beischlaf.
Mit Blick auf die Evolution hat das auch Sinn. Denn dem Mann kann es im Prinzip egal sein, ob seine Frau andere Männer liebt - solange sie sich nur nicht mit ihnen paart und dem Gehörnten womöglich Kuckuckskinder unterschiebt. Bei der Frau ist es umgekehrt: Sie braucht den Mann für die Aufzucht der Nachkommen, egal, mit wem er sonst noch schläft - wichtig ist nur, dass er sich nicht gefühlsmäßig anderweitig bindet.
Nun aber hat die US-Psychologin Christine Harris den reichen Schatz der Studien zum Thema analysiert. Ergebnis: Die These, es gebe zweierlei Eifersucht, stimmt wohl nur im Experiment. Im wahren Leben, so resumiert Harris in der Zeitschrift "American Scientist", verhalten sich Frauen und Männer oft sehr ähnlich, oft sogar genau entgegen den Vorhersagen der Theorie; zudem spiele auch die Kultur eine große Rolle.
Es gibt aber eine Erklärung, so Harris, die am Ende zu allen Befunden passt: Nur die alarmierende Grundangst, zu kurz zu kommen, ist demnach angeboren - und zwar beiden Geschlechtern gleichermaßen. Entstanden ist die Eifersucht daraus, wie etliche Studien zeigen, vermutlich in der Kindheit: Geschwister, die um die elterliche Zuwendung konkurrieren, zeigen schon vergleichbare Gefühlswallungen.
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